Deutsch-Britische Logistikforum des Fördervereins Logistics Alliance Germany e.V. - 25. Januar 2021

Das Deutsch-Britische Logistikforum des Fördervereins Logistics Alliance Germany e. V., das am 25. Januar 2021 als online-Veranstaltung stattgefunden hat, hat mit seinen interessanten Impulsvorträgen und einer lösungsorientierten Podiumsdiskussion mehr als 100 Teilnehmer angezogen.

Am 25. Januar 2021 hat der Förderverein Logistics Alliance Germany e. V. das Deutsch-Britische Logistikforum unter dem Motto „Fragen und Lösungen zu den Auswirkungen des Brexit auf die Logistikwirtschaft“ als online-Veranstaltung durchgeführt. Der Vorstand des Fördervereins dankt allen Beteiligten und Teilnehmern für ihre Beiträge zu dieser gelungenen und aktuellen Veranstaltung. Die Zahl von über 100 Teilnehmern zeugte von einem großen Interesse des Fachpublikums am Thema.

Zu Beginn der Veranstaltung gab Herr Steffen Bilger MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie Koordinator der Bundesregierung für Güterverkehr und Logistik in einem Grußwort an die Teilnehmer der Veranstaltung seinem Bedauern Ausdruck, dass die Delegationsreise zum Thema Brexit nicht wie geplant durchgeführt werden konnte, und sagte zu, diese Delegationsreise nachzuholen, sobald dies wieder möglich sei. Herr Bilger betonte, dass ein großes Interesse daran besteht, dass der Warenaustausch mit Großbritannien auf hohem Niveau fortgesetzt wird. Dass dies überhaupt möglich ist, sei den unermüdlichen Verhandlungen der EU-Kommission zu verdanken. Herr Bilger erläuterte, dass Großbritannien jetzt de facto ein Drittstaat ist und dies zwar auf eigenen Wunsch geschah, aber leider Nachteile mit sich bringt, die auch die Logistikwirtschaft betreffen.

In einem anschließenden Grußwort betonte Marc Oedekoven, Vorsitzender des Vorstands Förderverein Logistics Alliance Germany e. V., IQS Holding GmbH, dass mit der Grundsatzvereinbarung über ein Handels- und Kooperationsabkommen der Brexit vollzogen ist, aber trotz Abkommen noch einige Herausforderungen von Industrie, Handel und Logistik zu bewältigen sind. Berichte von Lieferengpässen und Bilder von leeren Regalen und verdorbenen Waren in Großbritannien verdeutlichten dies. Zusätzlich mache die Situation der Covid-19-Pandemie die Lage nicht einfacher.

Niels Beuck, Geschäftsführer, DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e. V., berichtete in einem Impulsvortrag über die Lage für die Logistikwirtschaft. Er betonte, dass die Auswirkungen des Brexit zu enormen Herausforderungen auch in der Logistik führen und die erhöhte Komplexität durch den Brexit von vielen Akteuren unterschätzt oder nicht verstanden wurde. Die aktuellen Beobachtungen zeigen, dass viele Akteure sich noch nicht oder nicht genug mit den Änderungen auseinandergesetzt haben.

Professor Alan McKinnon, Kühne Logistics University berichtete über die aktuelle Lage nach dem Brexit aus britischer Sicht. Er machte deutlich, dass bereits LKW-Staus wegen der Zollproblematik zu beobachten sind, aber die Lage nicht so schlimm sei wie erwartet. Bisher lief die Logistik mit nur 70% Auslastung und die wirtschaftliche Tätigkeit liegt deutlich unter dem normalen Niveau. Er geht davon aus, dass sich die Situation in den nächsten Wochen verschärfen wird, da die Unternehmen weiterhin nicht auf den Brexit vorbereitet sind. Ein wesentliches Problem stellt der Mangel an T1-Transitdokumenten dar. Zu beobachten war auch, dass große Spediteure auf Grund vielfach fehlender oder fehlerhafter Zolldokumente ihre Geschäfte vorübergehend eingestellt oder stark reduziert haben. Auch daraus resultierend gab es bereits Probleme in den Lieferketten, insbesondere für Meeresfrüchte aus Schottland, die sehr zeitsensibel sind. Mangelnde Kapazitäten führen auch zu deutlichen Einschränkungen im Handel.

In einer an die Impulsvorträge anschließenden Podiumsdiskussion unter dem Motto „Doing logistics together in troubling weather“ wurden die aktuelle Situation, die fundamentalen Probleme und Lösungsansätze für die Logistikwirtschaft im Umgang mit dem Brexit debattiert.

In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass das Abkommen zum Brexit sehr spät für Wirtschaft und Logistik kam und dadurch Zeit zur Vorbereitung fehlte. Die späte Abstimmung und die schnelle Implementierung des Abkommens führten zu Schwierigkeiten bei Handel und Logistik. Die Logistikverbände versuchten, dies mit Schulungen der Mitarbeiter in den Mitgliedsunternehmen zu kompensieren. Vor allem die britische Seite sei nicht gut vorbereitet gewesen auf den Brexit und das Vereinigte Königreich hat die Auswirkungen des Brexit unterschätzt.

Mit Blick auf die aktuelle Situation wurde aus der Diskussion deutlich, dass Exporte nach Großbritannien relativ gut funktionieren, das große Problem aber die Importe aus Großbritannien seien. Dies bewirkt unter anderem, dass Parkgebühren für die Fuhrunternehmen enorm steigen, weil LKW-Fahrer lange warten müssen, bis Zollpapiere vollständig erstellt sind. Die Vertreter der Logistikdienstleister in der Diskussion zeigten auf, dass erhebliche Beratungszeit für die Kunden aufgewandt werden muss, bis Zollpapiere korrekt ausgefüllt sind. Dadurch sei eine Planbarkeit der Verkehre momentan nicht gegeben. Der hohe Beratungsaufwand bildet eine belastende Situation für die Logistikunternehmen. Es wird darüber hinaus erwartet, dass es für Fuhrunternehmer eine Herausforderung sein wird, Fahrer zu finden, die Lieferungen nach und aus Großbritannien übernehmen möchten. Auch sei es für die Unternehmen sehr schwierig, korrekte und vollständige Informationen zu den anzuwendenden Vorschriften zu bekommen. Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion erwarten, dass einige Probleme kurzfristig gelöst werden können, es aber auch langfristiger Änderungen in der Gesamtstruktur der Logistikprozesse von und nach Großbritannien geben wird.

In Bezug auf die Aussichten für die nächsten Wochen erwarten die Diskutanten, dass die Probleme im Verkehr von und nach Großbritannien zunehmen werden. Dies wird sich entsprechend negativ auf die Stausituation auswirken. Entsprechend sei eine weitere Beratung der Verlader durch die Logistikdienstleister nötig. Dabei sind die deutschen Logistikunternehmen insgesamt gut aufgestellt. In der Diskussionsrunde wurde gefordert, dass die Zahl der Zollkommissare deutlich erhöht werden müsse, um die Lage an der Grenze zu entschärfen.

Insgesamt wurde mit dem Deutsch-Britischen Logistikforum deutlich, dass der Brexit erhebliche Herausforderungen für Wirtschaft und Logistik generiert. Diese Herausforderungen bergen aber zugleich auch neue Chancen für die Geschäftsentwicklung. Sie sind Impulsgeber und Verstärker für die digitale Transformation, neue Dienstleistungen für bestehende und neue Kunden, die beispielsweise auf Expertenwissen in Bezug auf die Abwicklung der Verkehre angewiesen sind oder durch Outsourcing ihrer eigenen Logistik neue Marktpotenziale für die Logistikwirtschaft generieren. Gefragt sind alternative Standorte, neue (digitale) Verfahren sowohl für die Abwicklung mit den Kunden als auch den Behörden sowie neue Kooperationen, die den Aufbau und den Betrieb von Haus-zu-Haus-Verkehren zwischen der EU und Großbritannien ermöglichen.

Das Deutsch-Britische Logistikforum wurde ausgerichtet vom Förderverein Logistics Alliance Germany e. V. in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Die Logistics Alliance Germany (LAG) ist eine gemeinsame Initiative der deutschen Logistikwirtschaft, die sich im Förderverein organisiert hat, und dem BMVI. Die LAG hat zum Ziel , den Logistikstandort Deutschland und »Logistics made in Germany« im Ausland zu vermarkten. Weitere Informationen zur LAG und den Veranstaltungen finden Sie unter www.logistics-alliance-germany.de

Oben links: Moderatoren Holger Dechant, Mitglied des Vorstands des Fördervereins Logistics Alliance Germany e.V. und CEO Universal Transport Group, und Stefan Schröder, Chief Advisor Logistics Alliance Germany und CEO LNC LogisticNetwork Consultants GmbH

Oben Mitte: Teilnehmer der Podiumsdiskussion Professor Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des BGL e.V.

Oben rechts: Teilnehmer der Podiumsdiskussion Gerhard Grünig, Springer Fachmedien, Chefredakteur der VerkehrsRundschau / Trucker /  OmnibusRevue

Mitte links: Teilnehmer der Podiumsdiskussion Klaus Schmitz, Sales Manager, ExactLogistics

Mitte Mitte: Teilnehmer der Podiumsdiskussion Torsten Böhler, Geschäftsführer, Boehler Logistic Group

Mitte rechts: Vortragender und Teilnehmer der Podiumsdiskussion Niels Beuck, Geschäftsführer, DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e. V.

Unten: Vortragender und Teilnehmer der Podiumsdiskussion Professor Alan McKinnon, Kühne Logistics University

Bildrechte: FV LAG e. V.

  • LAG_Brexit_Präsentation_KLUDateiformat: pdf
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  • LAG_Brexit_Präsentation_DSLVDateiformat: pdf
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